Umwelttage Basel
«Vorbilder für die Welt von morgen»
9. – 11. Juni 2017
Inspiriert von Menschen aus aller Welt
Esther Petsche und Samuel Schläfli

Esther Petsche und Samuel Schläfli wollen mit ihren Filmen Interesse wecken, Alternativen aufzeigen und zum Nachdenken anregen.

Der Blick aus dem Fenster verheisst nichts Gutes. Graue Wolken türmen sich über uns auf. Schwaden feuchtheisser Luft erfüllen den Raum im Warteck-Areal. Nach einem wiederholt heissen Sommertag in einem ungewohnt trockenen und heissen Sommer kommt sie doch noch: die Erfrischung eines Gewitters. "Diesen Sommer merken die Menschen in der Schweiz sowie in ganz Europa erstmals sehr deutlich, dass wir mitten im Klimawandel stecken", sagt der Basler Journalist und Filmemacher Samuel Schlaefli. Die Menschen in anderen Erdteilen, seien es die Landwirte in Südafrika oder die Einwohner Myanmars, spüren die Klimaänderung schon seit vielen Jahren deutlicher als wir.

Der Magazinjournalist stiess auf seinen Reisen in ferne Länder immer wieder auf das drängende Thema "Klimaänderung" und die dadurch verursachten Folgen für Mensch und Natur sowie die politischen Auswirkungen. Seit gut zehn Jahren arbeitet der Freischaffende für Medien wie GEO, Greenpeace Magazin, Myanmar Times, Sonntagszeitung, Basler Tageswoche und das DEZA-Magazin "Eine Welt". "Mich interessiert die Schnittstelle zwischen Umwelt, Sozialem und Politik. Ich will spannende Geschichten über Menschen erzählen, zeigen, wie sie mit den globalen Herausforderungen umgehen und was sie motiviert." Schliesslich komme man darüber zurück zu sich selbst mit den Fragen: Was ist meine eigene Verantwortung? Inwiefern betrifft mich das?

Mich interessiert die Schnittstelle zwischen Umwelt, Sozialem und Politik.
Samuel Schläfli

Im Film fand der Printjournalist einen neuen Zugang für solche Geschichten. In Zusammenarbeit mit der Grafikerin und Filmemacherin Esther Petsche entstand Ende 2015 der Film "The Climate Changers": eine 50-minütige Dokumentation über die zivilgesellschaftlichen Aktivitäten in Paris während der 21. UN-Klimakonferenz (COP 21). "Menschen aus aller Welt sind hier zusammengekommen, um sich zu vernetzen und auszutauschen. Hier ging es nicht mehr nur um die Bedürfnisse eines Einzelnen. Hier ging es um alle Generationen, alle Lebewesen. Und um diese eine Erde. Für mich ein Moment, in dem ich realisiert habe, dass alle von Demselben sprechen", sagt Esther Petsche. "Das bewegte Bild begeistert mich, weil zum Bild der Ton, die Stimme, die Musik und der Raum hinzukommen. Ich liebe es beim Filme Schneiden, all diese Stilmittel miteinander zu verweben." Der Film transportiere Emotionen und Stimmungen und sei in jeder Hinsicht ein Multiplikator. "The Climate Changers wurde vollumfänglich mit dem Smartphone gedreht. Das ermöglichte uns, spontane Begegnungen festzuhalten. Ich wurde manchmal gar nicht wahrgenommen und konnte so ungestört beobachten und dokumentieren", sagt die Filmemacherin.

"Das bewegte Bild begeistert mich, weil zum Bild der Ton, die Stimme, die Musik und der Raum hinzukommen." Esther PetscheÜber den Klimawandel gebe es bereits viele Statistiken, an Fakten zu den Ursachen dafür fehle es längst nicht mehr, ergänzt Samuel Schlaefli, der auch für das ETH- Magazin "Globe" schreibt und mit Wissenschaftlern spricht. Zahlen seien jedoch nur schwer greifbar, wenig emotional, könnten leicht ausgeblendet werden. "Über persönliche Geschichten, die die Komplexität und die Zusammenhänge verschiedener Aspekte aufzeigen und dokumentieren, wie Menschen davon betroffen sind, können wir Zuschauer auf einer anderen Ebene erreichen und vielleicht auch bewegen."

Das bewegte Bild begeistert mich, weil zum Bild der Ton, die Stimme, die Musik und der Raum hinzukommen.
Esther Petsche

Im Jahr 2018 wurde das Basler Duo vom Amt für Umwelt und Energie Basel Stadt mit dem Teaser für das Projekt "Vorbilder für eine Welt von morgen" beauftragt. Und demnächst wird das Duo eine weitere gemeinsame Produktion einem interessierten Publikum präsentieren: einen Film über die Erdölförderung im ecuadorianischen Amazonas, die Marginalisierung von dort lebenden indigenen Gruppen und dort kommunal organisierten Ökotourismus als mögliche Alternative zur Umweltzerstörung. Samuel Schlaefli: "Ein Schwerpunkt liegt dabei auf einem Projekt von "Cuisine sans frontières", das der Schweizer Koch David Höner ins Leben gerufen hat."

Grundsätzlich sei nicht das Protestieren ihre Position, obwohl es das dringend brauche. Interesse wecken, Alternativen aufzeigen und zum Nachdenken anregen sei ihre Motivation. "Die Menschen sollen an konkreten Beispielen sehen, dass es nicht so unmöglich ist, etwas zu verändern", sagt Esther Petsche. Samuel Schlaefli ist es wichtig, neben notwendiger Kritik auch positive Entwicklungen nicht aus den Augen zu verlieren.

 

Autorin
Interview: Lioba Schneemann
Fotos: Samuel Schlaefli, Lioba Schneemann

Kurzprofil
Burgweg 15
4058 Basel
Telefon 078 658 06 08
text(at)samuelschlaefli.ch
http://www.petsche.ch/

Weitere Vorbilder
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In seiner Werkstatt im Gundeldinger Feld entwickelt Stephan Gutzwiller seit einigen Jahren grosse und kleine Produktionsanlagen für Pflanzenkohle, zum Beispiel den Schweizer Pyrocook - eine Art moderner, schadstoffarmer Kohlenmeiler.

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Bis vor eineinhalb Jahren war sie Journalistin, er Unternehmer. Heute sind Marie und Michaël Tuil Kaffeeimporteure mit einer Mission. Sie beziehen den Kaffee direkt von äthiopischen Kleinbauern und verkaufen ihn ohne Zwischenhandel.

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