Umwelttage Basel
«Vorbilder für die Welt von morgen»
9. – 11. Juni 2017
Raumpflege als lebenslustiges Handwerk betreiben
Katharina Zaugg «Putzschule»

Für Katharina Zaugg ist Putzen mehr als nur Saubermachen. Sie engagiert sich für die Raumpflege innen und aussen. Am "Putzen" zeige sich, wie hierarchische Modelle aufgebaut sind, wie ethisch wir uns verhalten und wie umweltgerecht wir handeln, so die Putzexpertin.

Helfen, eine Welt zu gestalten, die keinen Umweltschutz braucht

Wir tun es meist ungern oder delegieren es zu einem niedrigen Lohn an andere. Putzen? Nein danke! Nicht so bei Katharina Zaugg. Sie putzt gern gemäss dem Motto: "Wir ärgern uns nicht, wir tun etwas". Sie schult Putzfrauen und -männer in ihrer Putzschule und leitet den regionalen Putzdienst in Basel "Mitenand Putzen GmbH". Als versierte Fachfrau berät sie Firmen in ökologischem Putzen, neuster Kunde ist etwa der trendige Hammambasar in Zürich. In Kleinbasel trat sie unter anderem als "Müllentsorgerin" in Aktion.

Raumpflege für das Haus ist wie Baden für den Körper, nämlich wohltuend.
Katharina Zaugg

Dass die 66-jährige Ethnologin mit dem heimlichen Tabuthema Putzen einigen Staub aufwirbeln würde, hatte sie sicher kaum erwartet, als sie vor 30 Jahren mit dem Reinigungsdienst und ökologischem Arbeiten anfing. Ihre Intention? Helfen, eine Welt zu gestalten, die keinen Umweltschutz braucht, meint sie schlicht. Auch im Privaten spiegelt sich diese Haltung wider: "Ich fahre Velo oder ÖV, koche saisonal und engagiere mich seit meiner Jugend gegen Kernspaltung." Ihren Reichtum schöpft die Mutter einer Tochter und Grossmutter aus dem, was sie hat. "Ich war immer eine Working Poor. Und ich habe Schicksalsschläge in Lebenslust verwandeln können - das empfinde ich als Gnade. Seit Kurzem singe ich im Surprise-Strassenchor mit - Singen stärkt die Resilienz!", meint sie mit einem Schmunzeln.

Putzen als schönes Handwerk

Wer sich mit Katharina Zaugg unterhält oder eines ihrer Bücher liest, merkt rasch, dass es um weit mehr geht als um das "Saubermachen". Sie will mit Tabus aufräumen. Etwa dem, dass Putzen keine Freude bereitet oder dass es eine "niedrige" Arbeit sei. Unsere Gesellschaft habe schon fragwürdige Hierarchien errichtet, gibt die Ethnologin zu bedenken. Viele Dinge würden am Beispiel des Putzens klar. Sie spricht denn auch bewusst von "Raumpflege": "Raumpflege für das Haus ist wie Baden für den Körper, nämlich wohltuend. Räume pflegen und putzen macht Spass und gibt dem Leben Sinn." Die meisten Menschen pflegen und waschen sich täglich, Männer schrubben mit Inbrunst ihr Auto. Aber warum säubern und pflegen sie die eigenen vier Wände nicht mit der gleichen Freude? Katharina Zaugg ist überzeugt, genau betrachtet, sei Putzen ein Handwerk, das wie jedes andere erlernt werden müsse: "Wer weiss, wie man korrekt pflegt, trägt zum Werterhalt von Räumen und Gebäuden bei." Räume brauchten Pflege und dem müsse mit Wertschätzung begegnet werden. Es sei empörend, welche Verachtung vielen Putzfrauen und -männern täglich entgegengebracht wird.

Katharina Zaugg geht es vor allem auch um Ökologie. Um Dinge klarer zu machen, fügt die Ethnologin gerne Wörter zusammen, die vermeintlich nicht zusammengehören: Raumkosmetik, Wellness beim Putzen, der Tanz mit dem Besen, TraumRaum oder Kunst der Berührung. "Ich bin eine Brückenbauerin. Wenn ich von achtsamer Raumpflege spreche, meine ich eine umfassende und vorurteilsfreie Sichtweise auf das Saubermachen. Wir spalten vieles ab, was einfach zum Leben gehört." Achtsame Raumpflege bedeute, dass alles Auswirkungen habe, auf uns, aber auch auf die Welt, wie wir putzen und waschen, welche Mittel wir verwenden und auf welche Art und Weise wir dies tun. Sie nennt ihre Vision die "reine Reinigung": Mit einfachen Mitteln hygienisch zu reinigen, ohne für die Umwelt belastendes Abwasser zu produzieren.

Der entscheidende Unterschied zwischen der Natur und der Zivilisation sei, dass die Natur selbstreinigend eingerichtet ist. Was sie hervorbringt, kann sie zersetzen und in neue Nahrung umwandeln. Felder bewirtschaften und Räume reinigen sei in diesem Sinne "zivilisatorische Basisarbeit". "In spirituellen Gemeinschaften ist die Reinigung die Basis jeder Entwicklung. Mönche in Klöstern müssen oft als erstes die Toiletten reinigen, was keinesfalls als Erniedrigung gilt. Es geht darum, alles urteilsfrei zu tun." Jede Tätigkeit sei gleich wertvoll. Im Umgang mit unserem Dreck und dessen Entfernung zeige sich auch, welche Ethik der einzelne oder ein Unternehmen wirklich vertrete. "Zu einem nachhaltigen Leben gehört ethisches Verhalten", ist Katharina Zaugg sicher.

Autoren
Text: Lioba Schneemann
Fotos: Lioba Schneemann

Kurzprofil
KaZaugg
Raumpflege-Gestaltung
Bärenfelserstr. 21
4057 Basel

www.putzschule.ch

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