Umwelttage Basel
«Vorbilder für die Welt von morgen»
9. – 11. Juni 2017
Kauf lokal bei «emma»
Stefanie «emma»

«emma» nennt Stefanie ihren Laden schlicht. Das Geschäft für regionale Produkte von Bauern aus der Umgebung von Basel bringt Ökologie ins St. Johann-Quartier.

Frisches und Schmackhaftes von hier

Stefanie will mehr als nur etwas verkaufen. Dieser Eindruck entsteht sofort, wenn man sie im Laden zusammen mit ihren Kunden sieht und mit ihr ins Gespräch kommt. Seit Mai 2015 ist sie Geschäftsführerin von «emma» an der Jungstrasse 33 im St. Johann-Quartier. "Mein Anliegen ist es, das Angebot von einheimischen Bauern wieder ins Zentrum zu rücken", erklärt Stefanie. "Es ist sinnvoll und auch dringend notwendig, dass wir uns wieder auf das Naheliegende besinnen." Die weiten Transportwege, das Verschwinden der Kenntnisse darüber, was wann bei uns wächst, die Verschwendung der Nahrungsmittel (gemäss WWF werden 1,3 Milliarden Tonnen essbare Lebensmitteln unnötigerweise weggeworfen) sowie die Industrialisierung der Tierhaltung - all dem will die engagierte Frau entgegenwirken. "Ich weiss, auf welchem Feld das Gemüse gewachsen ist, das ich verkaufe", sagt sie. Und man glaubt ihr das sofort. Lieferanten sind unter anderem der Bruderholzhof in Oberwil, die kreative Bäuerin, die in ihrer "kulinarischen Werkstatt" in Metzerlen unter anderem leckere Chutneys und Konfitüren kocht und donnerstags bis samstags feines Brot backt, Werner Thommen, der in Eptingen mit seiner Steinmühle Bio-Urdinkelmehl herstellt sowie der Maiehof aus Biel-Benken mit seinem Bio-Gemüse. Daneben findet man Seifen von Mettler aus Hornussen und Keramik von vojas ceramics. Und der im St. Johann-Quartier tätige Chocolatier Fabian Rehmann bringt regelmässig seine Spezialitäten, etwa Pesto al Cacao, ins Geschäft. "Für mich ist es immer wieder spannend zu sehen, welche Vielfalt an Produkten es in der Region um Basel gibt", sagt Stefanie. Motivierend sind für sie auch die Reaktionen ihrer Kunden. "Kürzlich sagte jemand, dass sie in der Familie viel mehr Salat essen, seit «emma» im Quartier ist. Eine schöne Rückmeldung!"

Ich weiss, auf welchem Feld das Gemüse gewachsen ist, das ich verkaufe.
Stefanie

Stefanie folgte ihrem Herzenswunsch: "Die Idee eines Ladens mit regionalen Produkten begleitet mich schon länger. Und als das ehemalige Künstleratelier frei wurde, konnte ich nicht nein sagen", erzählt die Jungunternehmerin. Als Grafikerin hatte sie zwar einen tollen Job, pendelte jedoch täglich mit dem Zug von Basel ins Büro. Und das bedeutete: kaum Zeit für bewusstes Einkaufen, geschweige denn fürs Kochen. "Das ist keine Lebensqualität, zumindest nicht in dieser Hinsicht." Viele Leute, so Stefanie, schätzten das Angebot von «emma», da es ihnen ähnlich gehe wie ihr früher und so könnten sie nun mitten in ihrem Quartier saisonal und regional einkaufen.

Da Stefanie gesundes Essen immer schon am Herzen lag und sie bereits als Kind von einem eigenen Café träumte, stimmt der Entscheid für sie, auch wenn sie (noch) nicht vom Umsatz des Ladens leben kann. Von Anfang an konnte sie auf grosse Sympathie und Unterstützung der Anwohner zählen - was eigentlich kein Wunder ist, denn sie ist mit Herz, Charme und Verstand dabei. Und natürlich einem ungeheuren Engagement: "Dreimal pro Woche fahre ich zu 'meinen' Bauern in der Region und hole die Produkte ab", erklärt sie. Sie arbeitet weit mehr als 100 Prozent für ihren Laden - der für sie auch viel mehr ist als nur das.

Jedoch machen die vielen positiven Erfahrungen Mut: So habe sie erfahren, dass einige Leute bereits ihr Einkaufsverhalten geändert hätten. Sie gehen jetzt zuerst zu ihr und dann zum Grossverteiler. Dass das Angebot manchmal nicht so umfassend ist oder ständig variiert, daran haben sich die Stammkunden schon gewöhnt. "Das ist sicher kein Nachteil, sondern bringt auch kreative Ideen, indem man sich dann überlegt, was man kocht - mit dem, was eben da ist." Und am Abend ist meist alles verkauft. Seit sie im Mai eröffnet hat, musste sie noch nichts wegwerfen.

Autoren
Text: Lioba Schneemann
Fotos: Lioba Schneemann

Kurzprofil
kauflokal «emma»
Jungstrasse 33
4056 Basel

www.kauflokal.ch

Öffnungszeiten:
Mo, Di, Fr 10 - 18.30 Uhr
Do 13 - 20 Uhr
Sa 10 - 16 Uhr

Weitere Vorbilder
Fidel Stadelmann

Mensch und Gemüse haben eine Gemeinsamkeit, die die Foodsharing-Gemeinschaft zu würdigen weiss: In Wahrheit sind wir alle Unikate mit unseren ganz eigenen Macken und Dellen – auch die ausgemusterten Mängelexemplare können exquisiten Charme entfalten.

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Johanna Löffel

Johanna Löffel ist ein Urgestein auf dem Kompostplatz St. Johann. Seit 1993 ist sie aktiv dabei, schaufelt, hackt und verarbeitet dort das organische Material, das hier jeden Samstag von Leuten aus dem Quartier hergebracht wird. Aktuell tragen insgesamt sechs Gruppen ihren Teil dazu bei, dass am Ende gute Komposterde entsteht, die man für Balkonkisten oder im Garten verwenden kann. Die Kompostaktivistin versucht, möglichst umweltbewusst zu leben und ihren kleinen Beitrag für die Welt zu leisten.

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