Umwelttage Basel
«Vorbilder für die Welt von morgen»
9. – 11. Juni 2017
Nicht auf Wunder warten. Aktiv werden!
Martin Vosseler

Martin Vosseler steht für Engagement und mutige Aktionen in Basel und auf der ganzen Welt. Mit Baum-Ankettungen, Weitwanderungen für Energiewende und planetare Ethik und einer Atlantiküberquerung per Solarboot sorgte er für Aufsehen und Schlagzeilen.

Immer wieder neu orientieren

Er ist einer der bekanntesten Basler Umweltaktivisten: Arzt Martin Vosseler. Was als Erstes auffällt, ist sein Lächeln, das seine positive Grundeinstellung widerspiegelt. Sein Optimismus scheint ungebrochen, und dies wird im Gespräch bei Guetzli und Obstsaft mit Blick auf den leicht verschneiten Münsterhügel immer wieder deutlich. "Ich konzentriere mich auf die Hoffnungsknospen." Und auch dies kommt keinesfalls fatalistisch aus seinem Munde: "Ich vertraue auf ein Wunder. Es kann doch nicht sein, dass die Menschheit sich schon in einer so frühen Entwicklungsstufe aus der Schöpfung ausklinkt."

Ein Vorbild ist er für viele Menschen wohl weniger wegen seines blühenden Optimismus', vielmehr aus anderen Gründen, die ein ganzes Buch füllen könnten: 1981 gründete er den Schweizer Ableger der IPPNW (Internationale Ärztevereinigung zur Verhütung eines Atomkrieges). Dieses Engagement führte dazu, dass die IPPNW im Jahr 1985 den Friedensnobelpreis erhielt. Er initiierte die Aktion "Luft ist Leben", Vorläufer der Organisation "Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz". Zusammen mit seinem Freund Bruno Manser fastete er im Jahr 1993 vor dem Bundeshaus für einen Importstopp von Tropenholz und war zehn Jahre später Leitfigur im Protestcamp an der Wiese in Riehen gegen den Bau der Zollfreistrasse.

Es kann doch nicht sein, dass die Menschheit sich schon in einer so frühen Entwicklungsstufe aus der Schöpfung ausklinkt.
Martin Vosseler

Weitere Meilensteine waren für Martin Vosseler die Gründungen der Stiftung SONNEschweiz und der Organisation sun21 im Jahr 1997, die jedes Jahr ein internationales Energieforum zur Förderung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien ausrichtet.

Die Anti-Atomkraft-Bewegung in Kaiseraugst und die Sonne als unerschöpfliche Licht- und Lebensspenderin haben Martin Vosseler zum Einsatz für Energiewende und Umweltschutz motiviert. "Bis zum 33. Lebensjahr war ich ein angepasstes Mitglied der Gesellschaft", erklärt er offen. Sehr prägend waren seine Eltern. "Sie haben mir und meinen Geschwistern vorgelebt, dass friedfertiger Widerstand und Partei-Ergreifen nötig sind." Sein Vater, ein Geograf, steckte ihn schon als Bub mit der Begeisterung für die Natur an. Rückblickend stellt der 68-jährige Martin Vosseler fest, dass Aktionen und Wanderungen ihn so begeistert hätten, weil sie für ihn "das Richtige zur rechten Zeit am rechten Ort" waren. Wie ein Kind staunen und Begeisterung haben - dies seien für ihn zwei der wichtigsten Grundlagen, egal, was man tue.

Gern ist Martin Vosseler ein Vorbild für andere, vor allem auch für jüngere Menschen. So hält er Vorträge in Schulen oder macht im kleinen Rahmen Cabaret. Er nennt Übungsfelder wie "achtsam leben, im Moment leben, sich engagieren, ohne Gewalt auskommen - im Denken, Reden, Handeln". Er möchte den Menschen Mut machen, Schritte zu wagen und zu erleben, wie - vor allem auch zusammen mit Gleichgesinnten - viel bewirkt werden kann. "Das hat mich ja auch immer wieder erstaunt und dazu bewogen weiterzumachen," sagt er. Dass er dabei nicht von allen akzeptiert oder sogar abgelehnt worden sei, sei ein Lernprozess gewesen. "Das gehört dazu. Aber es war schon herausfordernd, auf mir feindlich gesinnte Leute zu treffen, die ich nicht einmal kenne." Was ihm half, war der Ausspruch eines Biker-segnenden Priesters: "Wer sich einsetzt, setzt sich auch aus".

Einfaches gutes Leben

Je einfacher die Lebensweise, desto reicher und sinnlicher wird das Leben, stellt Martin Vosseler fest. Lange vor dem Vegetarismus- und Vegan-Boom habe er aufgehört, Tiere zu essen. Er praktiziert jeden Morgen Yoga, lernt Gedichte und Fremdsprachen, er zeichnet und spielt Geige. "Mir ist es wichtig, Körper und Geist zu pflegen." Vor einigen Jahren entdeckte er für sich das Weitwandern. Und auch daraus wurde ein Projekt für die Nachhaltigkeit: 2003 wanderte Martin Vosseler von Basel nach Jerusalem und verband so die persönliche Pilgerreise mit einer Werbung für die Energiewende. Weitere Weitwanderungen folgten von Los Angeles nach Boston sowie von Basel nach St. Petersburg. Laufen sei eh das Gesündeste, so meint er einfach. Zudem kläre es den Geist.

Autoren
Text: Lioba Schneemann
Fotos: Lioba Schneemann

Kurzprofil
Martin Vosseler

www.martinvosseler.ch

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