Umwelttage Basel
«Vorbilder für die Welt von morgen»
9. – 11. Juni 2017
Dem Unrecht ein Gesicht geben
Ueli Gähler «Multiwatch»

"MultiWatch bringt das Verdrängte ans Licht", sagt Ueli Gähler. Der Pensionierte sorgt zusammen mit weiteren Baslerinnen und Baslern dafür, dass man sich auch am Rheinknie um Menschenrechte im globalen Süden, in denen Schweizer Konzerne Niederlassungen haben, kümmert.

Mut habe es gebraucht, als er vor drei Jahren im Verein "MutliWatch" aktiv geworden sei. Der 64-jährige Ueli Gähler ist zwar ein "Alt-68er" und war einst in der Anti-AKW-Bewegung dabei. So kam er nach Basel, "in eine wunderbare Stadt mit einer hohen Lebensqualität." Der Historiker rutschte dann jedoch in eine Karriere als IT-Manager. "Manchmal schäme ich mich dafür", gibt er offen zu. Als Aktiver bei MulitWatch glaubte er anfangs, er müsse sich wegen seines Werdegangs rechtfertigen. "Wenn man sich in einer solchen Organisation engagiert, muss man sich selbst auch in Frage stellen. Aber das ist gut so." Ausserdem, ergänzt er, gebe es durchaus viele "Alt-68er"-Frauen und -Männer, die hier mitmachten. Motivierend sei es für ihn jedenfalls, mit den vielen kritischen jungen Leuten zusammenzuarbeiten. "Das gibt mir Hoffnung."

In ihm nagte schon lange das Gefühl, dass da eine "Schattenseite verdrängt wird, die man vor allem auch in Basel hervorholen muss." Ueli Gähler zieht das im Jahr 2016 erschienene "Schwarzbuch Syngenta" aus seiner Tasche. Das Buch, das in Zusammenarbeit mit diversen Autorinnen und Autoren entstanden ist, ist eine Antwort auf die Wahl des weltweit grössten Agrochemiekonzerns als Sponsoring-Partner für Basel an der Weltausstellung 2015 in Mailand. "Wir wollen zeigen, dass nicht alle Baslerinnen und Basler hinter den Agrochemie-Multis stehen."

Syngenta wird neben Nestlé, LafargeHolcim und Glencore von MultiWatch besonders beobachtet. Ueli Gähler erklärt: "MultiWatch hat ein Netzwerk von Organisationen im Süden aufgebaut, die diese Konzerne kritisieren." Pestizid-Opfer und -Gegner, etwa aus Brasilien, Malaysia, Mexiko, Pakistan und Hawaii, wurden nach Basel geholt. "Alle multinationalen Konzerne mit Sitz in der Schweiz betreiben im globalen Süden Zweigniederlassungen oder Outsourcing-Partnerschaften. Und dort finden leider immer wieder teils schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen statt. Die Schwächen der lokalen Rechtssysteme werden ausgenutzt." MultiWatch unterstützt darum die Konzernverantwortungsinitiative, die vermutlich im Jahr 2018 zur Abstimmung kommt. "In Basel können wir wieder im Rhein schwimmen. Gemäss der Delegierten für das Recht auf Nahrung des UN Menschenrechtsrats sterben demgegenüber jährlich 200 000 Menschen vor allem in den Ländern des Südens an den Folgen von Pestiziden." Syngenta ist der grösste Pestizidhersteller weltweit mit Hauptsitz in Basel. Man könne sich doch nicht für ein ökologisches Basel engagieren und dazu schweigen, ist Ueli Gähler überzeugt.

Kürzlich luden wir Malia aus Kauai ein. In den Haarproben ihrer Töchter wurden Spuren von 26 verschiedenen Pestiziden gefunden.
Ueli Gähler

Eine Bewegung als sichtbare Kraft in Europa

"MultiWatch" ist ein im Jahr 2005 gegründeter Verein mit dem Ziel, Menschenrechtsverletzungen von Schweizer multinationalen Konzernen zu beobachten und kritisch zu verfolgen. Es handelt sich um eine breite Koalition von Nichtregierungsorganisationen (NGO's) wie die Arbeitsgemeinschaft Alliance Sud oder Public Eye, Gewerkschaften, Parteien wie Juso und Organisationen der globalisierungskritischen Bewegung. "Unsere Strategie ist es, dem Ganzen ein Gesicht zu geben." Darum werden regelmässig Gewerkschafter und Experten, wie etwa einem Saatgutexperten aus Paraguay eingeladen. Auch Betroffene finden eine Plattform: "Kürzlich luden wir Malia aus Kauai ein. In den Haarproben ihrer Töchter wurden Spuren von 26 verschiedenen Pestiziden gefunden", sagt Gähler sichtlich bewegt.

Der Verein organisierte den Kongress "Agro statt Business" im Jahr 2015 und gab den Anstoss für den "March against Syngenta und Monsanto", der zum dritten Mal am 20. Mai 2017 in Basel stattfand. "Mehr als 50 Organisationen haben zu dieser Demonstration aufgerufen - die Kritik an Syngenta ist sehr breit geworden. Viele junge Menschen nahmen daran teil. Mich erinnert dies stark an die Anti-AKW-Bewegung von 1975. Das macht die Arbeit alles andere als düster", sagt Gähler. Und mit unseren Aktionen und Demonstrationen in der Schweiz, betont der Aktivist zum Schluss, geben wir den Bewegungen im Süden auch Mut, ihren Kampf weiterzuführen.

Autoren
Interview: Lioba Schneemann
Foto: Lioba Schneemann

Kurzprofil
MultiWatch Basel
Rebgasse 1
4058 Basel

www.multiwatch.ch



Weitere Vorbilder
Johanna Löffel

Johanna Löffel ist ein Urgestein auf dem Kompostplatz St. Johann. Seit 1993 ist sie aktiv dabei, schaufelt, hackt und verarbeitet dort das organische Material, das hier jeden Samstag von Leuten aus dem Quartier hergebracht wird. Aktuell tragen insgesamt sechs Gruppen ihren Teil dazu bei, dass am Ende gute Komposterde entsteht, die man für Balkonkisten oder im Garten verwenden kann. Die Kompostaktivistin versucht, möglichst umweltbewusst zu leben und ihren kleinen Beitrag für die Welt zu leisten.

Mehr...
Katharina Zaugg

Für Katharina Zaugg ist Putzen mehr als nur Saubermachen. Sie engagiert sich für die Raumpflege innen und aussen. Am "Putzen" zeige sich, wie hierarchische Modelle aufgebaut sind, wie ethisch wir uns verhalten und wie umweltgerecht wir handeln, so die Putzexpertin.

Mehr...