Umwelttage Basel
«Vorbilder für die Welt von morgen»
9. – 11. Juni 2017
Verkaufen, verschenken, vernetzen
Andrea Otto «Verein Stadtprojekt»

Warum neu kaufen, wenn es Schönes gebraucht gibt, sogar gleich vor der Haustür? Trouvaillen aus zweiter Hand gab es reichlich am ersten grossen Nachbarschaftsflohmarkt, den Andrea Otto vom Verein Stadtprojekt am 4. Juni 2016 im Matthäusquartier lanciert hatte. Zur Nachahmung wärmstens empfohlen!

Buntes Treiben im Matthäusquartier

Am Samstag, 4. Juni 2016, verwandelte sich das Kleinbasler Matthäusquartier in einen riesigen, quirligen Flohmarkt. Bunte Luftballons zeigten als tanzende Wegweiser an, wo die Anwohnerinnen und Anwohner in Hinterhöfen, Gärten, Quartierläden oder in der guten Stube unterschiedlichste Gebrauchsgegenstände und Kleider feilboten.

Es geht auch um das Knüpfen neuer Kontakte und darum, etwas Sinnvolles und Schönes gemeinsam zu erleben.
Andrea Otto

Der Verein Stadtprojekt hatte mit der Premiere dieses Nachbarschaftsmarkts einen grossen Erfolg gelandet: Rund 250 Stände luden Interessierte zum Stöbern ein. Dabei standen Lust auf Kreatives, Spass am Teilen, am Austauschen und Kennenlernen im Zentrum. Der Angebotspalette waren keine Grenzen gesetzt. Vom Biokuchen bis zu den Wanderschuhen gab es alles. Als Kleiderhaken dienten Vorgartenzäune. Da und dort gab es Konfitüren und anderes Selbstgemachtes aus dem Keller. Überall fanden Dinge, die sonst vielleicht verstaubt oder im Kehrichtsack gelandet wären, dankbare neue Besitzerinnen und Besitzer. "Und ganz nebenbei tun Sie auch noch etwas für die Umwelt - Wiederverwenden ist besser als Wegwerfen!", lautete der Leitspruch zu diesem Anlass auf der Website des Vereins Stadtprojekt.

Vom Luxus, anders zu kaufen

Ein Flohmarkt an sich ist nichts Neues. Was macht den Quartierflohmarkt Matthäus zu etwas Besonderem? "Man braucht nirgends hinzugehen, nichts für Stände zu bezahlen und ist direkt vor der eigenen Haustüre mitten im Geschehen. Einfacher geht es wirklich nicht", freut sich die Organisatorin Andrea Otto, die den Quartierflohmarkt zusammen mit dem Stadtteilsekretariat Kleinbasel auf die Beine gestellt hat. Das simple Konzept besteht darin, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Flohmarkts Tür und Tor ihres Hauses öffnen. Neben Fundstücken kann man so auch Einblicke in unbekannte Hinterhöfe gewinnen und das Quartier aus ganz neuen Perspektiven kennenlernen. "Viele Besucherinnen und Besucher kamen sogar vor allem aus diesem Grund zum Flohmarkt. Nur wenige wissen, dass es im Matthäusquartier wunderschöne Hinterhöfe oder Gärten gibt."

Verkaufen, tauschen oder verschenken? Am Quartierflohmarkt spielt das keine Rolle. "Es geht auch um die Nachbarschaftspflege, um das Knüpfen neuer Kontakte und darum, etwas Sinnvolles und Schönes gemeinsam zu erleben", betont Andrea Otto. Ihr liegt das Matthäusquartier, in dem sie arbeitet und wohnt, sehr am Herzen. Die Inhaberin der Boutique Riviera an der Feldbergstrasse brachte die Idee des Quartierflohmarktes aus München nach Basel. Der Erfolg des QFM, wie die Aktion bereits abgekürzt heisst, findet in anderen Basler Quartieren bereits Nachahmer. Bald sollen auch im Wettstein- und im Gundeldinger-Quartier Flohmärkte dieser Art stattfinden, weiss Andrea Otto.

Natürlich ist neben der Feststimmung auch um das Aufbrechen von Konsumgewohnheiten ein Thema. "Konsum geht auch anders. Man muss nicht in grossen Markenhäusern Billigware «made in China» kaufen. Tauschen und das Vermeiden von Müll machen Spass ", ist Andrea Otto überzeugt. Konsum an sich sei ja nichts Schlechtes, ergänzt Andrea Otto. Es gehe um das bewusste Entscheiden, Gutes weiterzuverwenden und anderen zugleich eine Freude zu machen. "Eine lange Lebensdauer von Produkten anzustreben, ist ökologisch. Auch bei Kleidern wäre dies erstrebenswert", sagt Andrea Otto. Dasselbe gelte für die Unterstützung kleiner Labels und regionaler Anbieter. "Was bei Lebensmitteln schon für viele Menschen selbstverständlich ist, hat sich bei den Kleidern noch nicht durchgesetzt. Oft ist nicht herauszufinden, woher Stoffe kommen, wie sie hergestellt, verarbeitet und genäht wurden. In meinem Geschäft setze ich immer häufiger auf Organic und Fair Trade", erklärt Andrea Otto.

Flohmi meets Catwalk

Dass sich viele Bewohnerinnen und Bewohner rasch für den aussergewöhnlichen Anlass eines Quartierflohmarkts begeistern konnten, zeigt der Plan des Matthäusquartiers: Mehr als 250 Orte und Stände sind mit schwarzen Punkten gekennzeichnet, an welchen der Tauschhandel stattgefunden hat. Einige rote Punkte sind als Reh4-Flohmis gekennzeichnet. Der Kleinbasler Verein Reh4 dient dem "Zwecke der Förderung unseres Reviers - ein Revier für progressive, independente und/oder subversive Räume." Krönender Abschluss des Flohmarktes war der bereits stadtbekannte «Catwalk in Public Space», der seit einigen Jahren vom Quartierverein Reh4 mit Kleidern von ansässigen Läden und Labels durchgeführt wird. Er verwandelte die Feldbergstrasse in ein chaotisches und kreatives Durcheinander, das bei so manchen Passantinnen und Passanten Schmunzeln und Kopfschütteln provozierte.

Autoren
Text: Lioba Schneemann
Fotos: z.V.g. Stadtprojekt und Lioba Schneemann

Kurzprofil
Verein Stadtprojekt
Feldbergstrasse 43
4057 Basel

www.stadtprojekt.ch

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