Umwelttage Basel
«Vorbilder für die Welt von morgen»
4.–7. Juni 2015
Vielfalt für alle
Nadine Born und Thomas Jenny «RadioX»

Eines ist für Nadine Born und Thomas Jenny klar: Radio X ist anders. Ein Radiosender, der abseits des Mainstreams seit 18 Jahren ein Kontrast-Programm sendet, gestaltet von wenigen Redaktoren und 200 Sendermacherinnen in Freiwilligenarbeit. Ein Sender, der gezielt unbequeme Themen anpackt und vielleicht deshalb ankommt.

Wo unterschiedlichste Stimmen zu Wort kommen

Ein grosser Raum mit zwei indischen Kronleuchtern, am Boden ein roter Teppich, an der Wand ein buntes Regal mit einem riesigen Tisch mit Computern und Kopfhörern. Am Eingang links eine offene Küche, gegenüber das Sitzungszimmer, das nur mit einem Vorhang abgetrennt werden kann. Die Räumlichkeiten des Basler Radiosenders Radio X spiegeln ganz und gar die Haltung der gemeinnützigen Stiftung Radio X wider: Offenheit, Partizipation, Transparenz.

"Wir bieten Menschen und Gruppierungen eine Plattform, die es in den gängigen Medien oder Radiosendern kaum oder gar nicht gibt", sagt Thomas Jenny, Mitbegründer, Stiftungsratmitglied und Geschäftsführer von Radio X. Der Radiosender hat mehr im Sinn, als eine musikalische Alternative zu anderen Sendern in Basel und der Region zu sein. Er will vielmehr ein Gefäss sein für authentische Jugendkultur, für Seniorinnen und Migrantinnen, für Menschen jeglicher Herkunft und aus allen Schichten. "Wir bieten Sendungen in über zwanzig Sprachen an. Bei uns hat nicht nur Exotisches Raum, sondern ebenso Lokalpolitik und traditionell Schweizerisches wie eine Sendung der Pfadfinder", so Thomas Jenny. Die Zusammenarbeit mit anderen Gruppierungen, Interessengemeinschaften oder Verwaltungsvertreten ist ebenso wichtig. So arbeitet Radio X eng mit den Integrationsstellen der Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt zusammen.

Wir schaffen Begegnung und tragen so zur friedlichen Auseinandersetzung bei.
Nadine Born

Es kommt auf jeden an!

Nadine Born ist seit letzten Sommer Projektleitern bei Radio X. Ihre Begeisterung für das kleine, feine Radio ist ansteckend. Sie leitet Kampagnen und Projekte und ist unter anderem verantwortlich für die acht Radio-Porträts im Rahmen der "Vorbilder für eine Welt von morgen". Auf die Frage, inwiefern sie beziehungsweise Radio X als Vorbild für eine Welt von morgen dienen könnte, antwortet sie: "Wir ermöglichen den Dialog zwischen Parteien mit kontroversen Meinungen. Wir schaffen Begegnung und tragen so zur friedlichen Auseinandersetzung bei". Sicherlich spiele der Einfluss ihres Vaters, des Basler Liedermachera Aernschd Born, eine grosse Rolle, dass sie sich für Konfliktlösung und ökologische Themen sehr interessiere, so Nadine Born. Aernschd Born war einst so etwas wie der Haussänger der Anti-Atomkraft-Bewegung der 70er-Jahre. Heute ist er pensioniert und Kurator von Atomfrei.ch - der Dokumentationsstelle Atomfreie Schweiz. "Durch meinen Vater habe ich das Verständnis dafür erhalten, wie die Gesellschaft funktioniert. Meine Mutter hat mir und meinen Schwester auf eine feine Art beigebracht, wie man mit Konflikten umgeht", sagt sie. Was ihr bei Radio X besonders gefällt, ist die Möglichkeit, mit vielen verschiedenen Menschen zusammenzuarbeiten. "Es gibt ja nicht nur EIN Basel, sondern so viele verschiedene, kreative Menschen, die etwas auf die Beine stellen." Projekte, die sie begeistern, waren etwa der Workshop KulTour du Monde, in der eine Primarschulklasse und eine Integrations- und Berufswahlklasse des Zentrums für Brückenangebote eineinhalb Tage zusammen verbrachten, um am Ende eine Radiosendung vorzubereiten und durchzuführen.

Schwieriger Start

Dass Radio X grossen Erfolg hat, ist der Hartnäckigkeit seiner Macher zu verdanken. Die Geschichte des Radiosenders, der im Jahr 1993 startete - zu lesen auf der Webseite von Radio X - zeigt die Höhen und Tiefen, die vielen Erfolge und Hindernisse auf. "Unsere Geschichte kann auch als Vorbild für andere Projekte dienen. Der ehemalige Basler Regierungsrat Jürg Schild sagte zu uns: Nid lugg loh gwünnt", erinnert sich Thomas Jenny. "Raus aus der Komfortzone" - sagt Nadine Born mehr als einmal in diesem Gespräch. Dort, in der Komfortzone, befand sich Radio X zumindest die ersten Jahre selten. Heute jedoch kann Radio X eine positive Bilanz ziehen: Innovation

Wir bieten Menschen und Gruppierungen eine Plattform, die es in den gängigen Medien oder Radiosendern kaum oder gar nicht gibt.
Thomas Jenny

Autoren
Text: Lioba Schneemann
Fotos: Lioba Schneemann

Kurzprofil
Stiftung Radio X
Oslostrasse 10
4142 Münchenstein

www.radiox.ch

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