Umwelttage Basel
«Vorbilder für die Welt von morgen»
9. – 11. Juni 2017
Die Welt ein bisschen gemütlicher machen
Samuel Ruegger «Social Meal»

Fremde willkommen heissen und auf Zeit eine Gemeinschaft sein: Samuel Ruegger, Mitentwickler von Social Meal, will Unbekannte an einen Tisch bringen. Im Frühling 2015 ging die Plattform «Social Meal – Meal-Sharing für die Region Basel» online. Bis Social Meal ein echter Selbstläufer ist, braucht es aber noch doppelt so viele Registrationen. Bisher haben sich mehr als 350 Personen ein Profil zugelegt und viele haben schon eine Dining-Erfahrung der anderen Art gemacht.

Gelebte Gastfreundschaft in Basel

Das Konzept ist einfach: Auf socialmeal.ch können registrierte Mitglieder gemeinsame Ess- und Kochmöglichkeiten anbieten oder in Anspruch zu nehmen. Wie beim Couch-Surfing ("Stay with locals and make travel friends") geht es um gelebte Gastfreundschaft: Die Köche in Basel berechnen ihren Gästen nur die Kosten für die Zutaten.

Vertrauen ist beim Social Dining die wichtigste und mit Abstand auch die höchste Währung. Der Gast geht davon aus, dass die Gastgeberin wirklich so gut kochen kann, wie sie in ihrem Profil angibt, und dass die Hygiene stimmt. Und der Gastgeber hofft auf gut gelaunte Zeitgenossen und -genossinnen mit kräftigem Appetit. Gastgeber und potenzielle Gäste können sich auf dem Benutzerprofil schon im Voraus einen Eindruck voneinander verschaffen.

In der eigenen Stadt ist das Treffen neuer Leute eine Art des Reisens.
Samuel Ruegger

Zur Qualitätssicherung gehen Konzeptentwickler Samuel oder seine Kollegen auch selber mal zu einer Tafelrunde. Und die Gäste können nach dem Essen eine Bewertung auf dem Portal hinterlassen, sodass die nächsten Gäste wissen, worauf sie sich einlassen. Die Gastgeber wiederum erhalten auf dem Gästeprofil wichtige Informationen zu jeweiligen Allergien oder anderen Einschränkungen. Bisher gab es in Basel jedoch weder eine Lebensmittelvergiftung noch eine unangenehme Begegnung. Nur einmal war eine Suppe versalzen und die Weinflasche liess sich nicht öffnen, geht aus einem Blogbeitrag hervor.

Samuel sass einmal an einem Tisch mit Menschen zwischen 21 und 64 Jahren. Es gab selbstgemachte Pasta. Der Imker, die polnische Ärztin, ein Arbeitsloser und er selber unterhielten sich hervorragend und verbrachten einen aussergewöhnlich anregenden Abend miteinander. Wer kommt heute noch mit Menschen völlig unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft zusammen? Nebenbei spart das gemeinsame Mahl auch Energie und kann davor bewahren, dass die Inhalte eines übervollen Kühlschranks oder Gemüsekorbs weggeworfen werden müssen.

Das sogenannte Meal Sharing ist der weltweit am rasantesten wachsende Trend der Sharing Economy. Manche nehmen daran teil, um Leute kennenzulernen und berechnen nur das, was sie für die Zutaten ausgeben wie in Basel. Andernorts sehen Gastgeber ihr Angebot als Zusatzeinkommen und lassen sich ihren Arbeitsaufwand entlohnen. So zahlt man beim Zürcher Pendant per Kreditkarte das, was der Hauswirt oder die Hauswirtin verlangt.

Statt den Pizzakurier anzurufen oder allein ins nächste Fast-Food-Restaurant zu gehen, kann man sich in Basel genauso gut via Social-Meal-Website irgendwo zum Essen einladen. Das ist nicht nur gesünder, sondern kann auch Brücken zu anderen Kulturen bauen. Bei einem Aufenthalt in anderen Städten wie Berlin, Chicago oder Tel Aviv kann man via Meal-Sharing-Plattformen in einem vertrauensvollen Umfeld mit fremden Menschen an einen Tisch kommen und Land und Leute besser kennenlernen. Und selbst in der eigenen Stadt ist das Treffen neuer Leute eine Art des Reisens.

Für den Basler Samuel Ruegger ist Gastfreundschaft wichtig. Sie wird in anderen Ländern, wie zum Beispiel in Griechenland hoch gehalten, während es in der Schweiz noch schwer vorstellbar ist, dass man Fremde zu sich nach Hause holt. Ein wenig mehr Offenheit und Grosszügigkeit könnte auch hier in Basel dazu beitragen, die Lebensfreude aller zu erhöhen, findet der 26-Jährige.

Das Beste, was seiner Meinung nach passieren kann, ist, dass sich eine Gruppe so sympathisch findet, dass sie sich regelmässig trifft und für sie die Plattform Social Meal überflüssig wird. Seine Vision ist, dass Social Meal in Basel eine feste Grösse wird, etwa wie im Rhein schwimmen zu gehen. Und dass das Vertrauen in den Nachbarn in Sachen Essen grösser wird als in den Grossverteiler oder die Fast Food-Kette.

Autoren
Text: Anette Graupe
Fotos: z.V.g. Social Meal

Kurzprofil
Social Meal - Meal-Sharing für die Region Basel
www.socialmeal.ch

Weitere Vorbilder
Wendel Hilti

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