Umwelttage Basel
«Vorbilder für die Welt von morgen»
4.–7. Juni 2015
Vielfältige Beheimatung
Barbara Buser «baubüro in situ ag»

Barbara Buser ist in Basel eine, wenn nicht sogar die Instanz im Umdeuten von Orten, Räumen und Besitz. Ihr ist es gelungen, Zusammenhänge zu schaffen, die mehr geben, als nehmen. Die Menschen finden dort in ihren Feldern, Unternehmen, Werkhöfen und Silos Bindung an einen vertrauten Ort zum Wohnen und Sein  –  und damit eine Form von Heimat.

Spuren bewahren, Bestehendes weiternutzen

Barbara Busers Herzensangelegenheit ist es, Spuren zu erhalten, soziale Möglichkeitsräume zu schaffen und die Ressource Kreativität zu nutzen. Im Hanro-Areal in Liestal hat sie zum Beispiel die Spuren der Arbeit bewahrt und die grosse Hanro-Sammlung mit alten Badehosen, Pyjamas und Unterwäsche gerettet. Und die Basler Markthalle wird derzeit ihrer Bestimmung entsprechend wieder als Drehscheibe für Lebensmittel betrieben.

«Mehrwert entsteht nicht durch Neubauen, sondern durch Investitionen in den sozialen und ökologischen Raum.»
Barbara Buser

Deshalb heisst das nächste Grossprojekt für sie denn auch «Felix Platter». Und sie rechnet vor, dass man bei Erhalt und Umbau des alten Spitals, zum Beispiel mit einer Genossenschaft mit innovativen Wohnformen, mindestens 20 Millionen Franken und zusätzlich noch eine enorme Menge graue Energie sparen kann. Wie im Gundeldinger Feld muss nicht alles abgebrochen, sondern lediglich einiges abgesprochen und optimiert werden. Mehrwert entsteht nicht durch Neubauen, sondern durch Investitionen in den sozialen und ökologischen Raum.

Die Vernetzerin hat in ihrem Leben bisher fünf Genossenschaften und elf Aktiengesellschaften sowie GmbHs mitgegründet und sechs Vereine initiiert. Dazu gehört u.a. das stadtbekannte Unternehmen Mitte in Basel, das Gundeldinger Feld, aus dem ein lebendiges Quartierzentrum entstanden ist, sowie das Spreefeld, ein grosses Wohnprojekt in Berlin. Gewinn spielt für sie keine Rolle. Entscheidend ist, dass sich die Projekte selber tragen.

Für sie liegt auf der Hand, dass Städte einer sozial und ökologisch vertretbaren Stadtentwicklung verpflichtet sind. So gehört es zum Prinzip ihres eigenen Architekturbüros in situ, grundsätzlich keine Einfamilienhäuser zu bauen, sondern vielmehr Bestehendes weiter zu nutzen und so umzubauen, dass kleine Mieteinheiten entstehen. So bleibt der ökologische Fussabdruck kleiner.

Fairness ist für sie entscheidend bei allem, was sie anpackt – auch was das Bodenrecht betrifft. Der Boden soll dem Staat gehören und im Baurecht weiterverpachtet werden. «So lässt sich mit dem Ertrag Gutes tun. Denn sonst überlassen wir die Stadtgestaltung der Immobilienwirtschaft», sagt eine, die es wissen muss.

Über sich selber sagt die Architektin: «Ich habe viel Glück gehabt. Es ist mir wichtig, nicht gegen, sondern für etwas zu kämpfen». Dass die Lebendigkeit im Gundeldinger Feld für einen Neuzuzüger der entscheidende Grund war, sich im Gundeli niederzulassen, ist für sie ein gutes Beispiel für einen persönlichen Erfolg, der ihr viel Kraft gibt und sie neu beflügelt hat.

Nach ihrem Studium lebte sie 10 Jahre lang im Südsudan und in Tanzania und half dort mit, Brunnen zu bauen und die Gebäude der Universität von Dar es Salaam zu renovieren. Zurück in Basel und weitgehend beziehungslos heuerte sie auf der Münsterfähre an. Die zunehmende Wegwerfmentalität hierzulande brachte sie dazu, im Jahr 1995 die Bauteilbörse Basel zu erfinden. Inzwischen hat sich das Weiternutzen von gut erhaltenen, alten Baumaterialien von Basel aus in die ganze Schweiz und darüber hinaus ausgebreitet. Ihr Architekturbüro bezieht von dort oft selber gebrauchtes Parkett und Türen und baut zum Beispiel Waschbecken und ganze Küchen bei eigenen Umbauten wieder ein. Abfälle vermeiden und nachhaltiges Umbauen ist bis heute ihr Kerngeschäft geblieben.

 

Im Gundeli ist sie tief verwurzelt. Hier wohnt sie im Haus ihres Urgrossvaters und fühlt sich zugehörig und berechtigt mitzureden, zum Beispiel in der Quartierplanungsgruppe. Und hier ist der Dreh- und Angelpunkt ihres Wirkens. Kürzlich wurde im Gundeldinger Feld ein altes Kohlesilo umgebaut und als Förderprojekt der 2000 Watt-Gesellschaft – Pilotregion Basel ausgewählt, um farbige Solarpanels zu testen. Die für die Fenster herausgeschnittenen Betonplatten dienen jetzt als Sitzgelegenheit…

Autoren
Text: Anette Graupe
Fotos: z.V.g. in situ

Kurzprofil
Barbara Buser
baubüro in situ ag
Dornacherstrasse 192, 4053 Basel
www.insitu.ch

Weitere Vorbilder
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